Metamorphose

Metamorphose

(Zoologie, griechisch Umgestaltung, Verwandlung)

In den Puppenkästen im Tropenhaus können Sie unterschiedliche Schmetterlingspuppen betrachten. Und mit ein wenig Glück erleben Sie hier die Geburt eines Schmetterlings aus nächster Nähe.

Hier verstehen – vom Ei, zur Raupe, zur Puppe, zum Schmetterling

Bevor wir sie als schönste Falter bewundern können, durchleben Schmetterlinge die Verwandlungsphasen (Metamorphose) vom Ei über die Raupe zur Puppe schließlich zum Schmetterling. Wie lange das jeweilige Stadium dauert, ist von Art zu Art unterschiedlich und hängt auch von äußeren Bedingungen wie Temperatur, Jahreszeit und Licht ab.

Wer im Tropenhaus oder der freien Natur beobachtet wie Schmetterlinge hintereinander herfliegen und sich dabei mit spielerischer Leichtigkeit umflattern, erlebt sie bei ihrem Balztanz. Kurz darauf folgt die Paarung. Um die Eier des Weibchens zu befruchten, verbinden sich Weibchen und Männchen mit ihren Hinterleibspitzen. Wenige Tage später legt das Weibchen seine Eier ab.

Für die Eiablage benötigt jede Schmetterlingsart eine ganz bestimmte Pflanze. Nämlich die, von der sich die aus dem Ei geschlüpften Raupen ernähren können. Die Weibchen erkennen die Futterpflanze für ihren gefräßigen Nachwuchs mit Geruchsorganen, die sich an Fühlern und Beinen befinden. Je nach Schmetterlingsart werden zwischen 30 und 1.000 Eier abgelegt,  vorzugsweise auf die Unterseiten und Blattstiele der Futterpflanze, an denen die Eier am besten vor Regen und Fraßfeinden wie z.B. Vögel und Spinnen geschützt sind.

So unterschiedlich das Aussehen der einzelnen Schmetterlingsarten, so faszinierend verschieden sehen auch ihre Eier aus. Rund, oval oder länglich geformt. Die gerippten, glatten oder auch mit spitzen kleinen Buckeln und Kratern versehenen Oberflächen schimmern in Farben von milchigem weiß, grün, gelb oder braun. Unter dem Vergrößerungsglas betrachtet wirken die Eier wie moderne Skulpturen. Doch auf ihren Futterpflanzen sind sie gut getarnt und oft schwer zu entdecken. Werfen Sie im Tropenhaus einen genauen Blick auf die Bananenstauden. Hier legt der Bananenfalter (Caligo) seine Eier ab. Sie sind kugelrund, weiß und haben eine glatte Oberfläche.

In der befruchteten Eizelle entwickelt sich ein kleiner Embryo zur Raupe. Ist das Räupchen groß genug, zerbeißt es die Eihaut. Frisch geschlüpft beginnt es sofort zu fressen, nämlich zuerst die Schale seines eigenen Eies, sozusagen als nahrhafte Vorspeise. Fressen, um zu wachsen, ist der Lebensinhalt aller Raupen. Mit ihren kräftigen Kiefern nagen sie sich unbeirrt durch die Blätter ihrer Futterpflanze.

Das Aussehen der Raupen ist durchaus beeindruckend. Einige schmücken sich mit kleinen Hörnern, was ihnen fast das Aussehen gefährlicher, kleiner Drachen gibt. Andere Raupen trumpfen mit bunter Färbung, mit Stacheln oder borstiger Behaarung auf. All dies dient entweder zur Tarnung oder zur Abschreckung ihrer Fraßfeinde.

Mit Hilfe von Spinndrüsen, die sich in ihrem Mund befinden, können schon die ganz kleinen Raupen feine Seidenfäden weben. Mit diesen Seidenfäden halten sie sich an ihrer Pflanze fest und können sich bei Gefahr in Windeseile abseilen. Am Ende ihres Raupenstadiums weben einige Arten, jedoch nicht die Tagfalter, einen schützenden Kokon.

Die Raupenhaut wächst nicht mit. Sobald sie zu eng wird, muss sich die Raupe häuten, das passiert im Laufe des Raupenstadiums fünf- bis sechsmal. Reglos an einem Blatt hängend wartet sie, bis sich unter ihrer alten Haut eine neue gebildet hat. Dann nämlich reißt die zu klein gewordene alte Haut auf und die Raupe hat in ihrer neuen Hülle wieder genug Platz, um sich groß und stark zu futtern. Nach dem letzten Häuten schlägt sich die Raupe noch mal ordentlich den Bauch voll, denn im nun folgenden Puppenstadium ist Null-Diät angesagt. Vor der Verpuppung sucht sich die Raupe ein geeignetes Plätzchen aus. Und das kann, je nach Schmetterlingsart sehr unterschiedlich aussehen. Die Raupen einiger Arten graben sich in den Boden ein, um sich zu verpuppen. Andere hängen sich kopfüber an einem Ast auf, das sind die sogenannten Stürzpuppen, zu denen auch der Bananenfalter (Caligo) gehört. Dann gibt es noch die Gürtelpuppen. Arten wie der Schwalbenschwanz suchen sich einen, nicht allzu dicken, aufrechten Zweig und weben sich zu allererst einen bequemen „Gürtel“, der sie an ihrem Ast fixiert, bevor er sich verpuppt.

Eine Zeitlang verharrt die eingesponnene Raupe reglos an ihrem Platz. Unter der Raupenhaut schrumpft und verändert sich der Körper, während sich die Puppe ausbildet. Ist diese Entwicklung vollzogen, wird es Zeit, die alte Raupenhaut samt Kokon ein letztes Mal abzustreifen. Damit die Puppe dabei an ihrem Platz bleibt und nicht etwa herunterfällt, hat die überflüssig gewordene Hülle exakte „Sollbruchstellen“, an denen sie einreißt, ohne dass die Befestigungspunkte der Puppe Schaden nehmen.

Bei der äußeren Erscheinung der Puppen hat die Natur wieder einmal tief in die Trickkiste gegriffen und wartet je nach Schmetterlingsart mit den unterschiedlichsten Formen und Farben auf. Hier gilt, je nach Schmetterlingsart die Devise: Tarnen oder Täuschen. Normalerweise verharren Schmetterlingspuppen unbeweglich in ihrer Position. Nur wenn sie sich gestört fühlen, schaukeln und krümmen sie sich. Verborgen im Inneren der Puppe findet die letzte Stufe der Metamorphose zum Schmetterling statt.

Innerhalb der Puppe findet die Verwandlung zum Falter statt, und hier bilden sich Flügel, Beine, Fühler und Saugrüssel bis zu ihrer vollen Größe aus. Oft erkennt man, kurz vor dem Schlüpfen, Teile des Schmetterlings durch die Wände der Puppe. Bald darauf reißt die Puppe ein. Auch hier hat Mutter Natur nichts dem Zufall überlassen und für jede Schmetterlingsart die optimale „Sollbruchstelle“ vorgesehen. Ein frisch geschlüpfter Schmetterling krabbelt nämlich mit weichen, gefalteten Flügeln aus seiner Puppe. Zu Fuß muss er einen Platz erreichen, an dem er Luft und Blut in seine Flügel pumpen kann, damit sie sich entfalten. Dabei gibt der Schmetterling eine rötliche Flüssigkeit ab. Bei dieser Flüssigkeit handelt es sich um Stoffwechselausscheidungen aus dem Puppenstadium. Bis zu zwei Stunden kann es dauern, bis Flügel und Haut ausgehärtet sind und sich ein junger Schmetterling sich zu seinem ersten Flug erhebt.